Die Platte des Himmlischen Friedens


Besetzung:

Peter Hein - Gesang
Thomas Schwebel - Gitarren
Michael Kemner - Bass
Uwe Bauer - Schlagzeug
Frank Fenstermacher - Saxofon
+ Rolf Kirschbaum - Gitarre
+ Andreas Proff - Saxofon, Cello
+ Helge Schneider - Klavier, Orgel

1991


1. Was willst du noch von mir?
2. Ich sag ja
3. Nichts erreicht meine Welt
4. Am falschen Bahnhof
5. Sonntagmorgen
6. Mich und den Rest
7. Stell dir vor
8. Zarte Zeilen
9. In Zeiten wie diesen
10. Wie bitte was?!
11. Einsam
12. The Tarnished Angels
13. Verschenkt!



Was willst du noch von mir?

Wir haben uns einmal ziemlich gut gekannt
wir haben uns gemeinsam die Finger verbrannt
du suchtest immer einen Grund zum lachen
die Feier sollte niemals enden
du hieltst dich nur noch künstlich wach
mit Sensationen aus fernen Ländern

Was willst du denn noch von mir?

Dann bist du heimlich von allem weggerannt
es war dir wohl peinlich man hätte dich erkannt
wir dachten nicht nur die Musik die wir machten
würde alles zum Besseren wenden
jetzt sagst du: ich hasse diesen Krach
und scheffelst Geld mit beiden Händen

Was willst du denn noch von mir?



Ich sag ja (Leute 2)

Leute fragen jeden Tag
ist das Ernst oder machst du Spaß
Ich sag ja, ich sag ja, ich sag ja

Leute fragen jeden Tag
bist du weich oder machst du krach
Ich sag ja, ich sag ja, ich sag ja

Bist du ehrlich?
Jeden Tag?
Ich halts nicht aus, ich werd danach gefragt
Ich sag ja, ich sag ja, ich sag ja

Ich sag jeden, was er will
manchmal sogar was ich denk was ich fühl
Außer dir, außer dir, außer dir

Leute fragen jeden Tag
Ist das alles was du magst?
Ich sag nie, ich sag nie, niemals ja

Leute fragen jeden Tag
ich weiß schon nicht mehr was ich sag
doch meistens ja, häufig ja, immer nur ja



Nichts erreicht meine Welt

Tausende von Augen sehen es mir an
ich tue so, doch ich glaube nicht daran
ich mache alles fast genau wie ihr
doch innen drin, da bleibt es leer
wenn ihr euch nach eurer Kindheit sehnt
könnt ihr gerne meine nehmen
ich fühle mich noch nicht so weit
das war doch wirklich ne beschissene Zeit

Nichts erreicht meine Welt

Menschen riesengroß ziehen an mir vorbei
sie lächeln - wie machen sie das bloß?
für mich ist niemand dabei
Viele würden vieles
Manche alles für mich tun
nur für mich allein
doch ich will meine Ruhe
Und wenn ich etwas gebe, hat das nur den Sinn
daß ich niemandem etwas schuldig bin
Nur ich weiß, was ich wirklich brauchen kann
drum laß ich niemand an mich ran

Nichts erreicht meine Welt

Ich bin nie alleine
ich hab ja immer mich
und wenn ich mal nicht da bin
dafür gibts dann dich



Am falschen Bahnhof (Leute 3)

Leute ihr macht euch doch viel zu früh fertig
ihr wartet auf den falschen Zug
Leute ihr steht am verkehrten Bahnhof
Ihr werdet aus dem Fahrplan nicht klug

Seit der Boden auf dem ich stand
so heftig schwankt
hab ich Ruhe kaum gekannt, hab um sie gebangt

Leute ihr macht euch doch viel zu früh fertig ...

Kaum hab ich mal Luft geholt
mit ihr irgendwo
wird mir ewiges Glück angedroht
doch sie tun nur so, sie tun nur so

Ihr glaubt ihr könnt jetzt lachen
wir werden es euch nicht einfach machen
wir stören noch so manches Leben
wir werden euch niemals vergeben

Leute ihr macht euch doch viel zu früh fertig ...



Sonntag morgen

Dein Parfüm kann ich noch riechen
lang nachdem du schon fort bist
ich liege wie gelähmt und reglos
und ich atme dich tief ein

Noch eine Zigarette gegen die Erinnerung
gegen die Vergangenheit

Was bedeuten dir Gefühle?
Was es heißt allein zu sein?
du hast es mir gezeigt in jedem Augenblick
jeden Tag und jede Nacht

Nur einen Haufen Dreck
Keinen Pfennig ists dir wert
Nur ein Haufen Dreck bin ich für dich
Keinen Pfennig ists dir wert



Mich und den Rest

So wie immer geh ich durch die Stadt
etwas ist anders ich weiß nicht was
zwar fühl ich mich erschlagen und matt
es muß mehr sein als das

Es kommt mir nicht mal mehr komisch vor
daß die Welt mich völlig kalt läßt
als hätt ich nur ein inneres Ohr
als gäbs nur mich und den Rest

Freunde mag ich schon gar nicht mehr sehen
es fragt auch niemand nach mir
lieg meist zuhaus, laß mich gehen
es ist ja sonst niemand hier

Ich zähl die Tage doch schon lang nicht mehr
die jetzt zwischen uns liegen
die Last zu vergessen fällt mir schwer
ich will mich auch gar nicht besiegen

Zu verstehen was war fällt mir nicht leicht
hab den Kopf voller Bilder
die Zeit sah uns zu, sagte: "Es reicht!"
seitdem erleb ich alles gefiltert

Die Worte die uns zusammen brachten
stehen noch immer im Raum
war zu dumm, auf die Zeichen zu achten
Hoffnung gibt es kaum



Stell dir vor

Stell dir vor in fünfzig Jahren
gibt es Löwen in der Heide
unter Palmen liegen wir an der Nordsee
Wir lieben uns im ewigen Sommer
und nur Opa kennt noch die Zeiten
mit Winter, Regen und Schnee

Die Zukunft wird herrlich
durch das Loch im Himmel

Wir fahren im offenen Wagen
Nur mit T-Shirt und Shorts
wie im Coca-Cola-Werbespot
Keine Sorgen, keine Angst mehr,
nur die Sonne die uns täglich schöner macht

Die Zukunft wird herrlich
durch das Loch im Himmel
Es wird groß und größer
wenn wir nur wollen



Zarte Zeilen

Du kannst gerne alles haben
es ist ja außer mir nicht viel
Ich werd es schon ertragen
Ich weiß ich bin ja nicht dein Ziel
Dir kann ich alles sagen
Bei andern geht das nie
du suchtest mich seit Jahren
Ich weiß wir spielen dasselbe Spiel

Du wechselst das Gefängnis
doch das liegt nicht an mir
daß deine Welt so eng ist
ich weiß auch du kannst nichts dafür
Bleib einfach eine Weile
wir können viel probieren
es hat doch keine Eile
Ich weiß wir werden uns verlieren

Das wird mir immer wieder passieren
doch gewöhnen werd ich mich daran nie

Es macht mich einfach traurig
daß ich dich nicht mehr spür
daß du nicht treu sein kannst
ich weiß du lebst nicht hier
Ich sehs in deinen Augen
du kannst nicht vor mir fliehen
Es ist zwar kaum zu glauben
ich weiß nicht, bist du in Hamburg oder Wien?

Das wird mir immer wieder passieren
doch gewöhnen werd ich mich daran nie



In Zeiten wie diesen

Die Straßen die ich seit Jahren kenne
sehen plötzlich anders aus
Alle jagen nach einem Stück vom Kuchen
alle kommen ganz groß raus

Wann drehst du durch?
In Zeiten wie diesen
Wie hält man durch?
In Zeiten wie diesen

Jeder kämpft für sich, hat sich abgefunden
ideale schlagen die tiefsten Wunden
Was der eine nicht hat soll der andere nicht haben
Wo man keine Antwort weiß soll auch niemand fragen

Es schien es sei gelungen
alles sei im Fluß
Nicht einmal mehr Ketten die man sprengen muß
doch hinter den Fassaden starrt derselbe Schmutz
Ich kenne euch zu lange
Hab von euch genug

Wann drehst du durch? ...

Diese Teufel die uns reiten
sind niemals unser Ziel
Wir sind anders, sind es immer gewesen
wir wollen immer zuviel



Wie bitte was?! (Version 1990)

"Die da oben", von denen die reden,
die sich geistig wenig bewegen
die sind ja nicht oben, die sind doch das letzte,
vom menschlichen Eintopf sind sie die Reste
Verfault und verschimmelt und lebensgefährlich
Dazu auch noch häßlich, sonst wärs noch erträglich
Weil auf der Straße niemand mit ihnen spielte
bilden sie heute die Abschaum-Elite
Sie halten zusammen wie Pech und Schwefel
Stinken auch so, daß es dich ekelt
behaupten dann ganz dumm und dreist
es wär Platz an der Spitze, mit ein bißchen Ehrgeiz

Ich seh keine Ehre, sehe nur Geiz
Sehe nur Leere, nichts, was mich reizt

Da treiben Gärtner und Böcke
ein gemeinsames Spiel
machen jeden zur Schnecke, der anderes will
sie teilen, sie herrschen, sie suhlen in Macht
von Ihresgleichen geifernd bewacht
keiner gab ihnen das Recht es ist selbst verliehen
drum sei ihnen ins Gesicht gespien
Und sind auch nur Worte, vielleicht kommt der Tag
da trifft den richtigen der richtige Schlag



Einsam

Nennt mich von heute an "Einsam"
denn das wird mein Name
Nennt mich von heute an "Einsam"
weil ich von heute an ohne sie bin

Es ist doch wirklich banal
und ich weiß nicht einmal
ob wir am Ende sind
Doch ich merkte aufmal
Ich werd ihr zur Qual
worauf ich gegangen bin

Nennt mich von heut an "Einsam" ...

Man hats oft schon gehört
und es ist auch verkehrt
doch sie geht mir nicht aus dem Sinn
Es hat mich niemals gestört
daß sie Mozart gern hört
obwohl ich den widerlich find

Wir standen zusammen am Herd
und taten nachher
wozu wir geboren sind
und wir suchten nach mehr
und es war gar nicht schwer
all das ist noch so tief in mir drin



The Tarnished Angels

Ich bin abseits der Stadt
wo die Schatten Gesichter haben
wo die Bäume uns schützen
wenn der Mond uns erwischt
Wo der Griff nach der Seele
kalte Finger hat
es passiert ziemlich viel
abseits der Stadt
Auf den Wiesen treffen sich
die nach Freiheit suchen
und im Morgengrauen
verwischen sie sämtliche Spuren

Wir sind abseits der Stadt
wo uns niemand sieht
wo dein Kuß mich traf
als wir unsterblich schienen
Wo die Luft voller Stolz war
voller Kampf voller Mut
es passiert ziemlich viel
abseits der Stadt
auf den Wiesen treffen sich
die nach Freiheit suchen
und im Morgengrauen
verwischen sie sämtliche Spuren
Nur ein Blatt Papier
bleibt von Ihnen zurück
Nur ein einziges Blatt
und wir lesen die Schrift:

"abseits der stadt, wo die schatten gesichter haben,
wo die bäume uns schützen
wenn der mond uns erwischt
wo der griff nach der seele kalte finger hat
es passiert ziemlich viel abseits der stadt"



Verschenkt

Dies ist endlich deine neue Zeit
sieht verdammt aus wie Vergangenheit
Nach all den Jahren tun als sei nichts gewesen
wann wird man diesmal die Wahrheit lesen?

Das Geld sieht gut aus
also willst du es haben
wer Rettung braucht hat sowieso nichts zu sagen
Sind die Koffer gepackt?
die Reise kann beginnen
in einem neuen Leben soll nun alles gelingen

Verschenkt!
Du hast alles verschenkt
Zu dumm
wenn man alles verschenkt
warum hat dich denn niemand gewarnt?
Wann wirst du wieder mal was zu verschenken haben?

Jetzt ists bei dir wie überall sonst
Alles verlassen, niemand der da noch wohnt
Alles was du hattest hast du zurück gelassen
Alles aus Angst den Anschluß zu verpassen

Verschenkt!
Du hast alles verschenkt!
Zu dumm
wenn man alles verschenkt
Warum?
hast du alles verschenkt
weißt du nicht daß niemand hier für dich denkt?