‚‚ Fehlfarben - Monarchie und Alltag
Monarchie und Alltag


Besetzung:

Peter Hein - Gesang
Thomas Schwebel - Gitarren
Michael Kemner - Bass
Uwe Bauer - Schlagzeug
Frank Fenstermacher - Saxofon


1980

1. Hier und jetzt
2. Grauschleier
3. Das sind Geschichten
4. All that Heaven allows
5. Gottseidank nicht in England
6. Militürk
7. Apokalypse
8. Ein Jahr (Es geht voran)
9. Angst
10. Das war vor Jahren
11. Paul ist tot
12. Abenteuer und Freiheit
13. Große Liebe
14. Herrenreiter



Hier und jetzt

Die Schatten der Vergangenheit
wo ich auch hingeh sind sie nicht weit
ich weiß nicht mal wer ich bin
in der Zeitung stehts bestimmt nicht drin

die zweite hälfte des himmels könnt ihr haben
doch das hier und das jetzt das behalte ich

Die Gegenwart ist auch nicht berauschend
zuviele Leute die mich belauschen
ich weiß noch nicht wer ich bin
Radio zu hören das macht keinen sinn

die zweite Hälfte ...

Die Zukunft wird auch nicht bewältigt
der Kopf ist größer als der Hut
ich weiß nicht mehr woher der Wind weht
ganz egal was im Wetterbericht steht

die zweite Hälfte ...



Grauschleier

Ich habe das alles schon 1000mal gesehen
ich kenne das Leben, bin im Kino gewesen
doch jedesmal wenn ich sie seh
weiß ich nicht wie es gehn soll
ich find nicht den Dreh

Es liegt ein Grauschleier über der Stadt
den meine Mutter noch nicht weggewaschen hat

die Geschichte ist langweilig immer dasselbe
die Bücher zum Thema, sind auch nicht das Gelbe
denn jedesmal dann wenn ich sie seh
weiß ich nicht was ich sagen soll
nur leere Phrasen

Es liegt ein Grauschleier ...

Die Musik aus der Küche
ist auch schon ziemlich zerkratzt
ich habe geweint, bei jedem zweiten Satz
wenn ich dann mal was Eindeutiges tu
fürcht ich gleich, sie denkt: laß mich in Ruh

Es liegt ein Grauschleier ...



Das sind Geschichten

Das ist alles was ich dir sagen kann
vielleicht ists besser wenn ich es wieder schreibe
es ist nichts - nichts von Bedeutung
es ist nur alles was mir einfällt heut Nacht

Das sind Geschichten
in Büchern gelesen
Geschichten aus dem täglichen Leben
Geschichten die mir niemand glaubt
Das sind Geschichten
und sie sind geklaut

Nachher fiel mir ein man kann es besser sagen
nachher fiel mir ein was ich falsch gemacht hab
Telefon steht vor mir doch ich fass es nicht an
Es gibt soviel und gar nichts
was ich dir sagen will

Das sind Geschichten ...

Ich öffne Türen und komm nicht herein
Ich seh durch Fenster und kann nichts erkennen
Ohne Konturen das Bild war ein Schatten
der Schatten Traum, das Licht Illusion

Das sind Geschichten ...



All that Heaven allows

Es wird Morgen, du bist noch da
das erste Licht fällt auf dein Haar
ich möcht Dich berühren, doch ich bewege mich nicht
ich schau dich nur an, mich blendet das Licht
Ich brauch deinen Schutz und will dich beschützen
ich hab dich nötig will dich nicht benützen

Ich verknote meine Gedanken mit dir
und ersticke fast in diesem Gewirr
ich bin zu feige dir zu gestehn
daß all meine Gedanken sich nur um dich drehn
ich brauch deinen Schutz und will dich beschützen
ich hab dich nötig will dich nicht benützen

Ich wollte mehr mehr noch als alles
jetzt hab ich Angst, Angst ich verlier es
Ich drück mich um Antwort auf deine Fragen
die Wahrheit kann ich nämlich selbst nicht ertragen
ich brauch deinen Schutz und will dich beschützen
ich hab dich nötig, will dich nicht benützen



Gottseidank nicht in England

Wo ist die Grenze, wie weit kann ich gehen?
Verschweige die Wahrheit, ich will sie nicht sehen
Schneid dir die Haare bevor du verpennst
Wechsle die Freunde, wie andere das Hemd

Richtig ist nur was man erzählt
benutze einzig was Dir gefällt
Bau dir ein Bild so wie es dir paßt
sonst ist an der Spitze für Dich kein Platz

Und wenn die Wirklichkeit dich überholt
hast du keine Freunde, nicht mal Alkohol
Du stehst in der Fremde, deine Welt stürzt ein
das ist das Ende, du bleibst allein

Bild dir ein du bist Lotse und hältst das Steuer
mitten im Ozean spielst du mit dem Feuer
Sprich fremde Sprachen im eigenen Land
Zerstreu alle Zweifel an deinem Verstand

Und wenn die Wirklichkeit dich überholt
hast du keine Freunde, nicht mal Alkohol
Du stehst in der Fremde, deine Welt stürzt ein
das ist das Ende, du bleibst allein.



Apokalypse

Zentrum der Zivilisation
Leben, Leben um uns herum
und mittendrin ein Stück Land abgesteckt
oder ne Fabrik in die keiner seine Nase steckt
Verbrannte Erde, Schüsse in der Nacht
Bombenteppich U-Boot-Jagd

Ernstfall es ist schon längst soweit
Ernstfall Normalzustand seit langer Zeit

Roland Marder Wiesel Phantom
Albatross Milan Tornado
Aus den Waffenschmeiden der Nation
Tag und Nacht in steter Produktion
Einkaufsbummel im Erdnußland
was übrig bleibt, wird Entwicklungshilfe genannt

Ernstfall ...



Ein Jahr (Es geht voran)

Keine Atempause
Geschichte wird gemacht
es geht voran

Spacelabs falln auf Inseln
Vergessen macht sich breit
es geht voran

Berge explodieren
Schuld ist der Präsident
es geht voran

Graue B-Film Helden
regieren bald die Welt
es geht voran



Angst

Niemand weiß was mir droht
auf der Straße herrscht Redeverbot
Ich frage jeden, keiner weiß Antwort
ich kenne niemand an diesem Ort

Angst, junger Mann, auf die Straße zu gehen?
Angst, junge Frau, allein im Dunkeln zu stehen?

Alle Uhren gehen heut gleich
die Leute merken wieder ich bin zu bleich
Bitte bitte, geh nicht zu weit
Fühlst du dich sicher um diese Zeit?

Angst ...

Blick in die Zeitung hilft mir nicht
Bleib im Zentrum bleib im Licht
der Schweiß klebt mir das Hemd an den Rücken
alle sind Verbrecher die sich nach Kippen bücken

AngstS



Das war vor Jahren

Die Mädels stellen den Jungen nach
im Schatten der Altbierreklamen
Du siehst dich so wie du willst
du hörst nur noch auf neue Namen
Wir tanzten bis zum Ende
zum Herzschlag der besten Musik
Jeden Abend Jeden Tag
wir dachten schon, das wär der Sieg

Das war vor Jahren

Die Coca-Cola Sonne scheint aufs Neue
auf den Glanz unserer Republik
es gibt bei uns Leute
die finden das schick
Wir tanzten bis zum Ende
zum Herzschlag der besten Musik
jeden Abend jeden Tag
wir dachten schon das wär ein Sieg

Das war vor Jahren



Paul ist tot

Ich schau mich um und seh nur Ruinen
vielleicht liegt es daran daß mir irgendetwas fehlt
Ich warte darauf daß du auf mich zukommst
Vielleicht merk ich dann daß es auch anders geht

Dann stehst du neben mir
und wir flippern zusammen
Paul ist tot kein Freispiel drin
Ein Fernseher läuft taub und stumm
ich warte auf die Frage, die Frage, wohin?

Was ich haben will das krieg ich nicht
Und was ich kriegen kann, das gefällt mir nicht

Ich traue mich nicht laut zu denken
ich zögere nur und drehe mich schnell um
Es ist schon spät, mein Glas ist leer
Du gehst mit dem Kellner und ich weiß genau warum

Was ich haben will ...

Ich will nicht was ich seh
ich will was ich erträume
ich bin mir nicht sicher
ob ich mit Dir nichts versäume



Abenteuer und Freiheit

Es ist zu spät für die alten Bewegungen
Was heute zählt ist Sauberkeit
Ihr kommt nicht mit bei unsren Änderungen
für uns seid ihr noch nicht reif
Wir sind noch wenig doch wir haben uns gefunden
Wir stehen im Dunkel bereit

Wir wollen nur unsere Spaß haben und tanzen
Was steht ihr so doof rum
wenn wir euch sehn könn wir nur noch ablachen
Hey Mann, hüpf mich nicht um
Nimm deine Pfoten von meinem Anzug
guck dich doch selbst mal im Spiegel an



Große Liebe

Ich sah sie zuerst bei der Raffinerie
sowas wie sie das sah ich noch nie
Beim Elektrizitätswerk da sah ich sie wieder
Ich riß fast vor Freude die Hochspannung nieder

Ich mag sie

Ich kam in ihr Zimmer beim Güterbahnhof
Drei Stockwerke überm Hinterhof
beim Kernkraftwerk haben wir uns geliebt
neben uns hat der schnelle Brüter gepiept

Ich mag sie



Herrenreiter

Hoch zu Roß, den Bundesgeier am Gewand
Herrenreiter haben wieder zu sagen im Land

Schwarz - der Himmel unserer Zukunft
Rot - die Erde der Vergangenheit
Gold - die Zähne unserer Väter

Jetpiloten werden plötzlich schwach in den Hüften
Herrenreiter mit Spielzeugpistolen in den Lüften

Schwarz ...

Einer wird gewinnen, beim Lieblingsfernsehonkel der Nation
Herrenreiter, der Butler bringt den Ostfriesennerz schon

Schwarz ...